Lights on!

In Eindhoven glühen wieder die Gebäudefassaden, Glockentürme rotieren, ein Ufo schwebt über der Stadt ein und in der Steentjeskerk wird mit dem Mond kommuniziert.
Gesteinsbrocken fallen aus Kirchentürmen heraus und geben das Innere frei.

Klingt ein bisschen wie ein Untergangsszenario, ist aber genau das Gegenteil.
Das Glow-Festival ist zurück und bringt wieder die ganze Stadt zum Leuchten.

Wo im November sonst dunkelgraue Tristesse und leere Straßen herrschen, ist jetzt Licht.
Die ganze City ist „on the move“, um sich die neusten Lichtkunstwerke anzuschauen.

Vielseitige Lichtinstallationen an unterschiedlichsten Orten

Es zwitschern bunte Vögel und ein paar hundert Meter weiter steht man plötzlich vor einem Feld von beleuchteten Sonnenblumen. Im Hintergrund wehen die gelb-grünen Schatten der Sonnenblumen an den dunklen Häuserfassaden. Und aus Lautsprechern kommen Geräusche, wie auf einer Frühlingswiese.

In dem aufgebrochenen Kirchturm an der Steentjeskerk haben es sich Papageien gemütlich gemacht und Kraken tauchen fröhlich darin herum.

Zum 100 jährigen Jubiläum der Kirche und zum 50-jährigen Jubiläum der Mondlandung wurde in dem Gotteshaus eine beeindruckende Lichtinstallation aufgebaut. Zu der Melodie aus dem Film „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ von Steven Spielberg wird im Projekt „Moonlight“ der „Moonbounce“ (bzw. „Erde-Mond-Erde “ auf Deutsch) symbolisiert.
So bezeichnet man eine Funkverbindung für die Kommunikation zwischen zwei weit entfernten Punkten auf der Erde, bei der der Mond als passiver Reflektor verwendet wird.
Dieses Verfahren wird in der Installation durch Lichtstrahlen dargestellt, die auf reflektierende und sich bewegende Spiegel treffen.

Bunter wird’s nicht: Diving in the sea of colors

Am Wilhelminaplein taucht man in ein Meer von Farben („Diving in the sea of colors“).
Der Platz ist so bunt und mit schrägen Formen beleuchtet, so dass man sich auf einem psychodelischen LSD-Trip wähnen könnte. Jedenfalls, wenn es stimmt, was man aus Filmen und Erzählungen in Dokumentarfilmen darüber hört…

Hier leuchten nicht nur die Häuserfassaden. Auch die vorbeistreifenden Menschen werden bunt angestrahlt – und so werden auch sie ebenso zum Teil des Lichtspektakels.

Nur gut, dass einem hier nicht Jonny Depp, wie in Fear and Loathing in Las Vegas entgegenkommt. Und bis heute habe ich auch noch kein Flashback gehabt.
Man kann also auch beruhigt mit Kindern diesen Teil des Glow-Festivals anschauen.

Dieses bunte Lichtermeer an den Hausfassaden am Wilhelminaplein war so schon letztes Jahr ähnlich am Eindhovener Markt zu sehen.
Und die Wiener Lichtkünstler von PANI Projection haben bereits weltweit Gebäude von Berlin (Brandenburger Tor) bis Doha animiert und zum Leuchten gebracht.

„Sunflowers for van Gogh“ sind mein Highlight in diesem Jahr

Der regionale Lichtkünstler und ehemalige Student der Design Academy Eindhoven, Hugo Vrijdag, begeistert mich und das Publikum mit seinen oben schon angesprochenen „Sunflowers for van Gogh“.
Die beliebten Sonnenblumen werden nicht nur in Eindhoven ausgestellt.
Nach dem Glow Festival geht es für diese Licht-Laternen, wie man sie traditioneller Weise aus China kennt, auch genau dort hin.

Beim „Qinhuai Light Festival“ in Nanjing werden sie im Januar ausgestellt, bevor sie danach wieder zurück in die Niederlande kommen.
2020 werden sie in der Nähe des Van Gogh Museum auf dem Museumplein in Amsterdam zu sehen sein.

Aber nicht nur im Osten ist die holländische Blütenpracht begehrt. Auch ganz weit im Westen, im amerikanischen Portland, haben sie bereits (auf Instagram) Aufmerksamkeit erregt.
Da Portland die „Stadt der Rosen“ ist, würde man sich dort für das „Portland Winter Light Festival“ eine ähnliche Variante mit Rosen wünschen.

33 Lichtkunst-Projekte auf einer 5-Kilometer-Route

An insgesamt 33 Stellen haben Lichtkünstler aus aller Welt auf einer etwa fünf Kilometer langen Strecke unterschiedlichste Lichtkunstwerke aufgestellt.

Einige betrachtet man staunend, still und leise. Andere werden mit dem passenden Sound zu einer lebhaften Lightshow kombiniert.

Die größten Video-Licht-Animationen findet man am Clausplein (Colour Symphony) und der Augustijnenkerk.
Spektakulär, wenn über mehrere Meter (hoch und breit) animierte Geschichten erzählt werden, Häuserfassaden kippen und (Gesellschafts-)Spiele aus den 1980 Jahren wieder zum Leben erweckt werden. Z.B. der Zauberwürfel…

Lightshow im Philips-Stadion & Rauten-Animation

Folgt man der Route bis zum Ende, wartet im Philips-Stadion – wie in jedem Jahr – eine außergewöhnliche Lightshow.

Dies ist auch die einzige Attraktion, die kostenpflichtig ist. Fünf Euro (ein Euro für Kids unter 12) für die knapp halbstündige Show sind dabei durchaus gerechtfertigt und absolut ok.
Das gesamte Glow-Festival ist aber grundsätzlich kostenlos.

Hinter dem Stadion befindet sich noch eine weitere, sehr lässige, animierte Lichtfassade an der Frits Philipslaan (direkt am Ausgang der Stadion-Show).

Das Lichtspiel mit den riesigen, bunten und grünen Rauten gefällt in diesen Tagen natürlich besonders den Freunden des aktuellen Tabellenführers der Fußball-Bundesliga.
Vielleicht wäre es auch ein Tipp, wenn Borussia Mönchengladbach in nächster Zeit mal überlegt die Fassade des Borussia-Parks zu verschönern… Fragen Sie dazu doch einfach mal in Eindhoven beim Glow-Festival nach…

Warme Kleidung + Food & Drinks

Trotz all der optischen Täuschungen, wie Sonnenblumen, Papageien und anderer Herz wärmender  Animationen, sollte man nicht vergessen, dass es immer noch November ist.
Und daher sollte man warme Kleidung und bequeme Schuhe anziehen.

Aufwärmen kann man sich an einigen Stellen bei einem “Glow“-Wein. Z.B. beim „Camp Glow“.
Das ist eine extra eingerichtete „Haltestelle“ auf der Paradijslaan in der Nähe vom „PING“-Lichtprojekt.
Hübsch dekoriert mit unzähligen Regenschirmen ist das Camp Glow so auch an nassen Tagen geeignet.

„Vorglühen“, Aufwärmen mit Glow-Wein oder Glow-Mehrgängemenüs

Wer es lieber etwas wärmer mag, begibt sich am besten in eins der netten Cafés, Bars oder Restaurants. Davon hat Eindhoven nämlich jede Menge zu bieten.
Noch vor der Glow-Tour könnte man in der Stadsbrouwerij, einer anderen Craft-Brauerei oder Bar „Vorglühen“.


Bei sonnigem Wetter kann man auch sehr gut in der Skybar des Vane Restaurant die Aussicht über Eindhoven genießen und dabei auf den Sonnenuntergang und die Dunkelheit warten.

Viele Restaurants oder auch der Downtown Gourmet Market bieten speziell zum Glow Speisen oder ganze Menüs an.


Ich habe mir am ersten Samstag das „Glow-Menü“ im 9 Dijk-Restaurant gegönnt.
Sehr feines Drei-Gänge-Menü zu einem moderaten und angemessenen Preis.

Eine spannende Adresse passend zum Glow scheint auch das Dinner in Motion zu sein.
Hier sitzt man an einem großen Tisch für bis zu 36 Personen. Und in diesem 360°-Restaurant werden ebenfalls Lichtanimationen an die Wände und auf den Tisch projiziert.

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