Intro

Silvester und Winter in Lissabon

Dieses Licht, dieses Klima, diese Stadt.

Lissabon war vermutlich die beste Idee, die ich zu Silvester je hatte.

Bis zu dieser Reise habe ich Silvester immer in der Kälte verbracht.

Bei eisigen Temperaturen war dies auch nicht immer von Vorfreude auf das neue Jahr geprägt.
Die kalten, dunklen Tage im Winter ziehen mich meist runter. Und so endeten und begannen die Jahre dann auch oft in dunkler Tristesse.
Das genaue Gegenteil erwartete mich Ende Dezember in Lissabon.

Am 30.12. empfängt mich Portugals Hauptstadt am frühen Abend am Flughafen mit einem warmen Klima und einem seichten Sonnenuntergang.

Das ist das erste Mal, dass ich zu dieser Jahreszeit einen warmen Wind verspüre und eine so großartige Abwechslung, dass ich schon beim Heruntersteigen der Railing weiß, dass Lissabon vermutlich eine sehr gute Wahl gewesen ist.

Die Sonne steht hier schon wieder eine Stunde länger am Himmel als zu Hause.
Und sie versteckt sich vor allem nicht hinter dunklen, kalten, grauen Wolken.

Während meiner Reise soll das so bleiben und ich habe an allen vier Tagen großes Glück mit dem Wetter und den Temperaturen.

Ankunft, Check-In und erste kulinarische Highlights 

Tag 01

Gebäck zum Gepäck

Auch im Flughafen bleibt meine Laune gleich weiter oben.
Das Warten auf das Gepäck kann man sich hier schon mit einem Espresso und einem „Pastei de Nata“, Lissabons süßester Versuchung, vertreiben.

Netterweise hat man gleich neben dem Gepäckband ein Stehcafé errichtet, wo man die bekannten Puddingteilchen bekommt.

Anreise ins Zentrum mit Karikaturen im U-Bahnhof

Vom Flughafen kommt man komfortabel und günstig mit der U-Bahn ins Zentrum.

Hier am U-Bahnhof erwartet einen gleich direkt die erste Attraktion:
50 Karikaturen des portugiesischen Karikaturisten António zieren die hohen Wände der U-Bahnschächte und Aufgänge – und versüßen einem so die Wartezeit bis die nächste U-Bahn kommt.

Zu sehen sind hauptsächlich portugiesische Berühmtheiten aus dem 20. Jahrhundert.
Z.B. die bekannte Fado-Sängerin Amália Rodrigues.

Die U-Bahn wurde vor wenigen Jahren verlängert und verbindet den Airport nun auch mit der Stadt.

Außerdem bekommt man so schon ein erstes Gefühl von Land und Leuten, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fährt, als wenn man ausschließlich mit anderen Touristen im Bus zum Hotel kutschiert wird.

Der restliche Weg zu meiner ersten Unterkunft wird dann jedoch ein wenig beschwerlicher.

Google Maps zeigt mir von der U-Bahn zum Hostel einen kurzen, ca. 7 Minütigen Weg an.
Was mir Google Maps (zu diesem Zeitpunkt noch) nicht anzeigt ist der Steigungsgrad der Straße, die zum „The Independente Hostel“ führt.

Der Höhenunterschied beträgt zwar nur ca. 50 Meter.
Es handelt sich auf dem steilen Weg an den meisten Stellen aber um Kopfsteinpflaster. Und mein Rollkoffer ist weder der neueste noch sind die ohnehin schon schwer drehenden Rollen für dieses Gelände geeignet.

Auf dem Weg nach oben beschert mir das ein paar bewundernde, aber auch fragende Blicke.
Am Ende angekommen werde ich zusätzlich mit ein wenig Atemnot belohnt.

Erst später finde ich andere, seichter nach oben verlaufende Wege. Aber die Ungeduld und die Anfangseuphorie einer Reise haben mich jetzt aber nicht nach Alternativen suchen lassen und mich irgendwie dort raufbekommen.

Der Weg hat sich aber gelohnt.

The Independente Hostel

Das „The Independente Hostel“ liegt nah am beliebten Ausgehviertel Bairro Alto und ist eine der coolsten Locations für Budget-Traveller – nicht nur in Lissabon.

Es ist ein altes, traditionelles Gebäude mit riesigen Decken, einem beeindruckenden Eingangsbereich und mehreren Bars und Restaurants.

Die Zimmer und Betten waren zu meinem Aufenthalt recht neu und in Lissabon sind die Preise für Hostels (gerade zu dieser Jahreszeit) sehr günstig.

Das Hostel liegt dazu direkt am Miradouro de São Pedro de Alcântara (auch Jardim de São Pedro de Alcântara), einem schönen Park mit einem der besten Panoramablicke auf die Stadt.

Time Out Market Lisboa

Nach dem Check-in mache ich mich auf den Spuren von Philip Rosenthal (Someone Feed Phil) zuerst auf den Weg zum Time Out Market Lisboa.

Diese alten Markthallen nicht weit entfernt vom Tejo und der „Pink Street“ entfernt und wurden vor wenigen Jahren zu einem riesigen Foodcourt umgewandelt.
Hier findet man seitdem die größte Foodauswahl in Lissabon unter einem Dach.

Es ist der perfekte Ort für Foodies und Familien.
An unzähligen kleinen Ständen gibt es unterschiedlichste Speisen.

Von einfachen lokalen Angeboten ist hier bis zum Sternekoch alles dabei. Es gibt kleine Snacks und große Menüs mit landestypischen, aber auch internationalen Speisen.

Das Schöne ist hier, wie in anderen Foodcourts, das nicht alle in der Gruppe vom gleichen Anbieter essen müssen. Im Idealfall sucht man sich ein gemeinsames Plätzchen an einem der langen Tische in der Mitte der Markthalle und holt sich danach seine bevorzugte Speise, um sich hier wieder zum Essen zu treffen.

Zu dieser Jahreszeit ist die Markthalle allerdings sehr belebt. Und dadurch findet man hier nicht unbedingt sofort einen freien Platz.
Es herrscht aber eine festliche Atmosphäre. Auch viele Einheimische treffen sich hier zwischen den Jahren. Und die Mehrzweckhalle ist heute schon für eine große Silvesterparty am nächsten Tag geschmückt.

Insgesamt hat es mir hier aber sehr gut gefallen.
Die warme Atmosphäre, die Stimmung und das hektische Treiben. Und nicht ganz unwichtig: Der Grund meines Besuchs: Das Essen war auch herausragend!

An diesem Abend entschied ich mich für eine landestypische Speise.

Meine Wahl fiel auf gegrillten Oktopus vom Restaurant „Sea Me“.
Hier war es anfangs recht voll. Und so schaute ich mich noch ein wenig an den anderen Ständen um.

Die Wartezeit überbrückte ich außerdem mit einem anderen Klassiker der Lissaboner Küche, einem Pastel de Bacalhau. Das sind kleine mit Kabeljau gefüllte Appetithäppchen, die man noch gut als Vorspeise nehmen kann, da die Tintenfischportion hier bei Sea Me nicht besonders groß ist.
Zur Vorspeise gab es ein Bier mit dem Namen: Super Bock.
Und das entsprach auch in etwa meiner Vorfreude auf die kommenden Tage: Denn ich hatte echt „Superbock“ auf diese Reise…

Zum Nachtisch gab es noch einen Sponge Cake von „Nós é mais bolos“.
Zu später Stunde war der Kuchen zwar nicht mehr ganz so gut in Form.
Aber der Geschmack war sehr gut und ein passender Abschluss für diesen ersten Abend.

Erste Eindrücke von Lissabon bei Nacht

Danach machte ich mich auf, die Stadt bei Nacht zu erkunden.
Alles war von den Weihnachtstagen noch so festlich geschmückt.

Am „Praça Luís de Camões“ stand noch ein riesiger, freundlich blickender Weihnachtsmann vor einer Leuchtfassade.
Davor spielte eine Band Live-Musik. Viele Menschen blieben stehen und machten Fotos an diesem hübschen Platz.

Die Einkaufsstraße Rua Augusta war ebenfalls noch mit Leuchtketten an den Fassaden geschmückt, aus einem Maroni-Wagen dampfte der Rauch vom Rösten in die kühle Lissaboner Nacht.

Auf dem großen Hauptplatz Praça do Comércio wurde alles für die große Silvesterparty vorbereitet und auf der Hauptbühne spielte bereits ein klassisches Konzert.

Unübersehbar überstrahlte ein riesiger, künstlicher Weihnachtsbaum den gesamten Platz.

In diesen kann man sogar hineingehen und sich das Lichtspektakel von Innen anschauen.

Die Temperaturen gehen am Abend in Lissabon Ende Dezember zwar etwas nach unten.
Trotzdem sind viele Leute auf den Straßen. Und auch das unterscheidet diese Metropole von anderen Silvester-Reisezielen.

Morgenspaziergang, Umzug und Silvesterparty

Tag 02

Silvester in Lissabon

Am Silvestermorgen wache ich bei strahlend blauem Himmel auf und mache erstmal einen kleinen Spaziergang durch die hügelige Stadt am Tejo, um mir einen Überblick zu verschaffen.

Ohne genaues Ziel schlendere ich ein wenig durch die berühmten Straßen und Gassen mit den historischen Straßenbahnen und den Kacheln an den Hauswänden, die dieser Stadt ihr so markantes Aussehen geben.

Ich mag es, wenn ich abends in einer Stadt angekommen bin und sich erst am nächsten Morgen das ganze Bild zu erkennen gibt.

Besonders deutlich wird das beim Panoramablick am oben schon beschriebenen Miradouro de São Pedro de Alcântara.
Der Blick ist ziemlich überwältigend und an einem sonnigen Morgen noch schöner als bei Nacht.

Er entschädigt auch ein wenig für die Nacht.
Die Betten und das Zimmer waren sehr gut. Nur meine Zimmerkollegen, die erst in der Nacht anreisten, wollten dann auch noch zwischen 2 und 3 Uhr morgens telefonieren – im Zimmer.

Da ich von der Anreise so müde war, nahm ich das erst nur im Halbschlaf wahr und war auch danach wenig an einer Diskussion interessiert, so dass ich das eine Zeit über mich ergehen ließ.

Nach dem Frühstück und bei der Aussicht auf ein Einzelzimmer in der Silvesternacht war der Ärger darüber aber vergessen.

Frühstück in lokaler Bäckerei

An diesem Morgen entschied ich mich für eine Lissabonner Bäckerei mit dem Namen A Padaria Portuguesa.

Nicht der hippste Ort, aber hier bekommt dafür etwas vom Leben der Menschen der Stadt mit.
Das geschäftige Treiben, wenn sich ganz unterschiedliche Leute ihr Frühstück holen.
Vom Geschäftsmann bis zum alten Mütterchen.

Man muss sich hier eine Nummer ziehen, um bedient zu werden. Das merke ich erst etwas später und warte daher noch ein wenig länger.
Aber das macht mir an diesem Morgen nichts, da ich es nicht eilig habe und so die Leute noch ein wenig länger beobachten kann.

Das Gebäck kann man mitnehmen. Im Cafébereich sind aber auch genügend Plätze, um in house zu frühstücken. Ich entscheide mich für Variante zwei.

Spaziergang und Unterkunftswechsel

Nach dem Frühstück mache ich mich noch einmal auf zum großen Platz (Praça do Comércio) und lasse mir am Tejo ein wenig die Sonne ins Gesicht scheinen.

Ein Stück weiter sieht man die bekannte riesige Brücke Ponte Vasco da Gama, die viele Menschen an die Golden Gate Bridge in San Francisco erinnert.

Daneben ragt die Jesus-Statue auf dem Berg auf der anderen Flussseite heraus.

 

Danach geht es wieder zum Hostel, um auszuchecken.

Eigentlich hat es mir hier sehr gefallen, da ich als Travel-Blogger möglichst viele Unterkünfte ausprobieren möchte und die Vorfreude auf eine unruhige Silvesternacht in einem Mehrbettzimmer nicht besonders groß ist (nachdem ich das zuvor das ein oder andere mal gemacht habe), habe ich mir ein Zimmer in einem feinen Hotel etwas weiter außerhalb gegönnt.

Im „HF Fenix Music“ Hotel habe ich mich für eine Nacht eingebucht.

Es ist ein vollständig modernisiertes Design-Hotel. Das Motto verrät schon der Name.
Denn in allen Zimmern sind riesige Paintings von Rockstars, Jazzpianos oder Plattenspielern.

Da ich nicht der größte Rockmusik-Fan bin, bin ich mit dem Kollegen mit der E-Gitarre in meinem Zimmer nicht ganz glücklich.
Der überdimensionale Plattenspieler, den es in einem anderen Zimmer gibt, hätte mir vermutlich besser gefallen.
Dieser Umstand war für mich aber eher unproblematisch, da es erstens nicht das Schlimmste an dem Zimmer war und es ansonsten (fast) alles besser als erwartet war.

Das begann bei dem hellen, warmen Licht, das bei Betreten des Zimmers durch die Vorhänge fiel und hörte nicht bei der spektakulären Aussicht auf Lissabon auf.

Durch ein paar Häuser kann man aus diesem Zimmer über die Skyline bis zum Fluss Tejo schauen.

Schöner ist es im Hotel nur auf der Dachterasse, wo es einen Rooftop-Pool und eine Bar gibt.

Der Pool ist zu dieser Zeit leider nicht nutzbar für alle, die Wassertemperaturen über 15 Grad bevorzugen.

Aber zum Relaxen und ruhigen Sonnenbaden ist das sogar im Dezember bzw. am 1. Januar der perfekte Ort. Dazu liegen auch ein paar Decken bereit, wenn es einem ohne zu kalt sein sollte.

Sightseeing, ausverkaufte Party und festliche Stimmung im Zentrum

Nachdem ich hier ein paar Minuten gechillt habe (der Tag sollte schließlich noch lang genug werden), bin ich durch den nahe gelegenen Parque Eduardo VII zum Pavilhão Carlos Lopes gegangen.

Hier sollte am Abend eine der größten und vermutlich spektakulärsten Silvester-Partys der Stadt stattfinden.

Diese Partylocation war auch ein Grund für meine Hotelwahl. Von hier sind es nur 5 bis 10 Minuten zu Fuß.

Leider habe ich zu lange gezögert mir rechtzeitig ein Ticket für die Veranstaltung zu kaufen, da ich mir unten auf dem Praça do Comércio das Feuerwerk ansehen wollte und mir nicht sicher war, ob es sinnvoll ist beide Locations zu besuchen.

Das „Ausverkauft“-Schild auf der Webseite nahm mir die Entscheidung dann leider ab.
Und es gab auch direkt an der Location keine Möglichkeit mehr ein Ticket zu kaufen.
Damit stand die Entscheidung fest, wohin die Reise für mich geht.

Um mich ein wenig einzustimmen, bin ich dann wieder mit der U-Bahn runter in die Stadt gefahren, um noch ein wenig von der Atmosphäre im Zentrum mitzubekommen.

Lissabon ist zu dieser Jahreszeit gut gefüllt mit Einheimischen und Touristen.
Nicht so dramatisch überfüllt, wie in den Sommermonaten, aber dennoch sind so viele Menschen in der Stadt, dass einige Straßenbahnen ohne zu halten an mir vorbeifahren, da sie so überfüllt sind.

Und auch die Nutzung des historischen Aufzug Elevador de Santa Justa, der die untere mit der oberen Stadt verbindet, ist heute leider ausgeschlossen.
Es sei denn man hat nichts anderes mehr vor und es macht einem nichts aus über eine Stunde anzustehen.

Der 1902 erbaute Stahlaufzug der die Einheimischen damals vom Stadtteil Baixa nach Chiado gebracht hat, gehört heute zu den beliebtesten Touristenattraktionen von Lissabon.
Und ich bin mir nicht sicher, ob er heute überhaupt noch von den Einheimischen genutzt wird.

Man kommt aber auch auf anderen Wegen in den höher gelegenen Stadtteil und die Aussichtsplattform über dem Aufzug kann man für ein paar Cent auch besuchen ohne vorher mit dem Aufzug gefahren zu sein.

Das mache ich zu einem späteren Zeitpunkt (Der Ausblick ist gerade in der Dunkelheit spektakulär),  vertreibe mir nun aber lieber die Zeit damit, ein paar lokale Foodstores zu besuchen.

Lissabonner Delikatesse

Eine Lissabonner Delikatesse ist Konservenfisch in fesch designten Dosen.
Wer hätte gedacht, dass heutzutage eine Speise, die bei uns eher als haltbares Billigessen aus dem Discounter bekannt ist, zu einem der beliebtesten Souvenirs aus einer der Trendmetropolen unserer Zeit geworden ist?

Ganz so ist es natürlich nicht. Denn die Dosen kommen hier nicht vom Discounter, wurden vor ein paar Jahren dazu einem vollständigen Redesign durch eine erfolgreiche Werbeagentur unterzogen und werden nun in sehr lässigen „Flagstores“ dem zahlungskräftigen Traveller angeboten.

Auch wenn die Verkäufer einem verrückterweise anderes versprechen, checkt vor dem Kauf lieber mal, ob die Dosen wirklich mit ins Handgepäck vom Flugzeug genommen werden dürfen.
Nicht dass ihr unter den erstaunten Blicken anderer Reisenden und des Flughafenpersonals eine Dose Fisch kurzfristig am Security-Check verdrücken oder den Fisch wegschmeißen müsst.

Es gibt in dem Flagstore von „Conserveira de Lisboa“ übrigens auch kleine Probierhäppchen auf Weißbrot.
Nichts was einen satt machen würde, aber für den durchgehungerten Low-Budget Backpacker vielleicht eine gute Möglichkeit sich ein bisschen Futter für zwischendurch zu besorgen.

Zwei Stores, die einen Besuch wert sind:

  1. Conserveira de Lisboa
  2. Fábrica das Enguias 1942

Silvester-Stimmung, Silvester-Dinner und Silvester-Party

Danach schlendere ich noch ein wenig durch die gut besuchte Innenstadt, höre ein paar Straßenmusikern zu und begebe mich wieder Richtung Praça do Comércio, um hier den Sonnenuntergang zu sehen.

Viele Menschen versammeln sich hier genauso und sitzen nah am Wasser, um das Spektakel zu sehen.
Die Sonne ist heute zwar stark verschleiert, die Sonnenstrahlen brechen aber immer wieder durch und am Ende bleibt ein atemberaubendes feuerrotes Band am Horizont.

 

Um mich noch etwas frisch zu machen und ein wenig in Schale zu werfen geht’s nach dem Sonnenuntergang noch einmal Richtung Hotel.

Aus den U-Bahnschächten kommt mir schon eine große Menschenmenge entgegen, um sich ein gutes Plätzchen für die Silvester-Show auf dem Praça do Comércio zu ergattern und die Show zu sehen.

Ich muss mich dagegen noch auf die Suche nach meinem Silvester-Dinner machen. Und habe das ähnlich gut organisiert, wie den frühzeitigen Kauf eines Tickets für die Party im Pavilhão Carlos Lopes.

Lissabon hat nämlich eine sehr hohe Dichte an ausgezeichneten Restaurants. Die aber – Überraschung – an Silvester entweder ausgebucht oder ziemlich überteuert sind.

Um es abzukürzen: Nach knapp zweistündiger verzweifelter Suche und mehreren ausgestoßenen Flüchen, sehe ich mich schon den Silvesterabend mit einem Kebab o.ä. qualitativ hochwertiger Kost zu beginnen.

Doch dann stand ich plötzlich vor einem kleinen, recht vielversprechenden Restaurant in einem Gewölbe mit gerade einmal 12 Plätzen. Und ausgerechnet einer davon war zu meinem großen Glück nicht mal besetzt.

Die Suche fand bei lokaler Kost in einem sehr lässigen Ambiente doch noch ihr gutes Ende.

Zur Vorspeise gab es kleine Schrimps-Tapas mit frischen Kräutern und einer außergewöhnlichen Soße.
Bei der Hauptspeise entschied ich mich auf Empfehlung der Kellnerin für ein frittiertes Kabeljau-Filet, dem typischen Lissabonner Fisch-Gericht.
Und dazu servierte das freundliche und sehr sympathische Personal einen feinen Cocktail mit frischem Basilikum on top.

Ab diesem Zeitpunkt war der Abend eigentlich gerettet und das neue Jahr konnte kommen.

Kurz darauf zog es mich dann auch zum Silvester-Event auf dem Praça do Comércio.
Die Show war schon im vollen Gang. Und genauso voll waren die Straßen rund um den großen Platz.

Viel später hätte ich nicht mehr kommen sollen, da es so schien als könnten die Sicherheitskräfte ihn vielleicht bald schon sperren, da die Gesamtkapazität fast erreicht war.

Ob der Platz zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich gesperrt wird, kann ich aber nicht sagen.
Zum einen hatte ich es noch rechtzeitig geschafft und zum anderen war ich danach damit beschäftigt mir ein Bier und einen Platz zu organisieren.

Die Show selbst war geprägt von vielen bekannten portugiesischen Künstlern und – nennen wir es – Folklore.
Nicht ganz so meins und ich trauerte ein wenig der verpassten Party oben im Palast hinterher.

Mit jedem Schluck Bier wurde es aber gemütlicher und das Feuerwerk entschädigte für einiges.

Portugals Hauptstadt lässt es zu Silvester ordentlich krachen, die Stimmung ist ausgelassen und das Ambiente auf dem Praça do Comércio bildet einen großartigen Rahmen um ein neues Jahr zu begrüßen.

Nach dem offiziellen Feuerwerk steigen heute nah am Wasser ein paar private Himmelslaternen über dem Tejo auf.

Für mich enden ein langer Tag und die Silvesternacht hier und ich mache mich auf den Weg ins Hotel.

Ausruhen und Sightseeing

Tag 03

Neujahrstag

HF Fenix Music Hotel Lissabon

Die Entscheidung trotz Silvester nicht allzu spät ins Bett gegangen zu sein, lohnt sich spätestens am Neujahrstag um Punkt 8 Uhr morgens.

Denn da werde ich auf einmal von einem Wasserfall geweckt. Und zwar nicht von einem seichten, tropischen, der einem warm und leise über die Schultern rieselt. Es ist vielmehr ein Geräusch, das an die Flutung eines U-Bahnschachts erinnert, wie man es auch Hollywood-Katastrophenfilmen kennt.

Und genau hier rächte sich dann wohl die Tatsache, dass ich ein so günstiges Zimmer in einem so exklusiven und ansonsten außergewöhnlich guten Hotel bekommen habe.

Keine Sorge: Ich wurde nicht aus dem Zimmer gespült, es gab auch keinen Rohrbruch oder ähnliches.
Nur um diese frühe Uhrzeit wurde auch am 1.1. die Pool-Anlage eingeschaltet, die sich scheinbar direkt über meinem Zimmer befand.

Irgendeinen Haken musste die „Basic“-Kategorie bei Booking.com ja haben, die über den chinesischen Partner Ctrip bereitgestellt wurde und die mir davor und danach auch nie wieder angezeigt wurde.

Abgesehen von dem frühen unverhofften Wecker war die Episode aber halb so wild.

Beim Frühstück wurde ich zwar noch von der Frühstücksdirektorin gefragt, ob ich gut geschlafen habe. Mein „Klagen“ über die Situation beantwortete sie aber nur mit einem Achselzucken und so beschloss ich nicht allzu böse über diesen Umstand zu sein, sondern lieber die Gelegenheit zu nutzen, um durch das frühe Aufstehen noch ein bisschen mehr vom Tag zu haben.

Das Frühstück im Hotel ist ok. Nichts spektakuläres, aber man eine recht große Auswahl.

Ein paar Minuten chillte ich noch am Pool. Die Sonne grüßte wieder in voller Blüte. Und daher machte ich mich dann auch um 11 wieder auf den Weg zu meiner dritten und letzten Unterkunft.

Home Hostel

Für meine beiden letzten Nächte habe ich mir das „Home Hostel“ ausgesucht.
Das Hostel trägt seinen Namen absolut zurecht.
Es ist familiär geführt und das merkt man gleich bei der persönlichen Begrüßung bei der Ankunft.

Die Gemeinschaftsräume sind sehr gemütlich gestaltet. Es gibt ein Fernsehzimmer in dem viele zusammen am Abend Filme schauen. Danach kann man noch ein wenig an der Bar chillen und sich mit anderen Reisenden austauschen.

Und an jedem Abend kocht die Mutter des Hauses… ich meine natürlich die Mutter des Hostels ein Drei-Gänge-Menü, das sich auch jeder Low-Budget-Backpacker leisten kann.

Hier fühlt man sich wirklich wie zu Hause und das Hostel bietet insgesamt viele Annehmlichkeiten, die einem den Aufenthalt hier besonders gemütlich machen.
Dazu liegt es so unfassbar zentral. Es ist der perfekte Ausgangspunkt zu allen möglichen Zielen.
Und wenn ihr aufbrecht, solltet ihr unbedingt mal auf den Aufzug verzichten.
Denn sogar das alte Treppenhaus ist hier ein echter Hingucker!

Als wäre das noch nicht alles genug wartet im Erdgeschoss eines der hippsten Cafés von ganz Lissabon. Das Café Nicolau

Sightseeing mit Castle, Kathedrale, besten Aussichtspunkten und leckerem Lunch

Heute geht es für mich aber erst einmal in Richtung des Castelo de São Jorge.
Das ist die mittelalterliche Festung, die über der Stadt thront.
Auch wenn Sie am Ende der Strecke vielleicht das Highlight des Ausflugs ist, ist hier auch der Weg das Ziel.
Er führt durch den historischen Stadtteil Alfama. Vom Hostel geht es nur wenige Straßen weiter den Berg an der Rua Augusto Rosa herauf.

Erster Stop ist für mich heute die Kathedrale Lissabons, die „Sé de Lisboa“.
Sie gilt als älteste Kirche der Stadt (Baubeginn war 1147) und wurde länglich schräg am Berg entlang gebaut.

Davor gibt es einen kleinen Kiosk mit Sitzgelegenheiten, wo ich mir einen Snack hole.
Es gibt Empanada und ein Röllchen, das einer länglichen Krokette ähnelt.
Der Quiosque do Refresco ist nichts für Feinschmecker, aber es ist ok, um den ersten oder zweiten Hunger des Tages ein wenig zu stillen.
Da es hier noch ein wenig schattig ist ziehe ich weiter. Immer noch ein wenig hungrig und auch nicht ganz glücklich, dass mich ausgerechnet dort der Hunger überkommen hat.
In einer Stadt, die so viele herausragende und schöne Cafés und Restaurants hat, sollte das nicht unbedingt die erste Wahl sein.

Daher lasse ich mich auch nach fünf Minuten und nur ein paar hundert Meter weiter gleich wieder im Petit Café nieder. Zwar auch ohne Garantie, dass es hier besser ist. Aber die Live-Musik und die bessere Position der Sonne überzeugen mich schnell.
Es ist ein milder, sonniger Tag und außerdem zuckelt die historische Tram 28E hier direkt an der Außenterrasse an einem vorbei und komplettiert zumindest schon mal das idyllische Ambiente.

Genau ein Platz ist hier noch frei und den lasse ich mir nicht nehmen.

Da langsam der Sättigungsprozess von der Vorspeise am Quiosque do Refresco einsetzt und ich hier nicht mein gesamtes Tagesbudget beim Mittagessen verbraten möchte, bestelle ich eine recht günstige Tagessuppe – und könnte damit glücklicher nicht sein.

Sie würde bei Instagram zwar keinen Schönheitspreis gewinnen, aber geschmacklich war sie eine der besten, die ich je hatte.
Das veranlasste mich auch dazu entgegen meines ursprünglichen Budget-Plans noch eine Nachspeise zu wählen in der Hoffnung, dass diese ähnlich gut sein würde, wie die Suppe.

Das Maracuja-Tiramisu sah dann nicht nur besser aus, sondern toppte auch noch den Geschmack der Suppe und vollendete den Gesamteindruck an diesem feinen Ort in diesem perfekten Moment auf der Außenterrasse des kleinen Cafés am 1. Januar.

In der Folge wurde es nicht schlechter.
Nach einem Fußweg von wenigen Minuten entlang der Tram-Strecke erreicht man den Aussichtspunkt Miradouro de Santa Luzia.
Hier blickt man über die roten Dächer heraus aufs hellblau glitzernde Wasser.
Aber auch der kleine Park ist sehr hübsch.

Ein Pärchen sitzt auf dem Mäuerchen, das mit den typischen portugiesischen Kacheln verziert ist und wärmt sich in der Mittagssonne.
Daneben befindet sich eine große Mauer mit einem Gemälde von Lissabon – ebenfalls in dem bekannten blau-weißen Kachel-Design.

Von hier aus gibt es verschiedene Möglichkeiten rauf zum Castelo zu kommen.
Immer wieder an verschiedenen Aussichtspunkten vorbei an denen genauso unterschiedliche Straßenmusiker immer die Stimmung und Atmosphäre der Stadt einfangen und musikalisch wiedergeben.

Geschlossenes Schloss mit Orangenbäumen im Vorhof

Endlich oben am Castelo angekommen erwartet mich eine kleine Enttäuschung.
Denn am 1. Tag des Jahres gelten verkürzte Öffnungszeiten, so dass ich nur noch in den Vorhof der Festung komme.
Die Besichtigung des Schloss muss ich dann wohl bei einem anderen Lissabon-Besuch nachholen.

So ärgerlich es in dem Moment auch ist, habe ich doch noch Glück, da hier ein weiterer Straßenmusiker auf Steel Drums spielt und ich mich hier noch ein paar Minuten dazu setze und mich ein wenig von dem Aufstieg ausruhe.

Orangebäume blühen, Straßenmusik wird gespielt, die Sonne scheint. Und das Anfang Januar.
Das habe ich so noch nie gehabt und deshalb beschließe ich einfach hier und jetzt diesen Moment zu genießen und einfach glücklich zu sein statt wieder von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen zu müssen.

In einem Café mit Innenhof finde ich kurz danach die Gelegenheit für mein zweites Pastei de Nata.
Die Qualität ist erstaunlich gut und auch das Ambiente gefällt mir.
So endet der Nachmittag am ersten Tag des Jahres recht entspannt.

„The Insólito“-Restaurant

Am Abend geht es noch einmal zurück zum Independente Hostel.
Genauer gesagt zum dazu gehörenden „The Insólito“-Restaurant.
„Insólito“ bedeutet ungewöhnlich. Und das trifft es fast auf den Punkt. Es könnte aber auch als „ein bisschen verrückt“ oder sogar als „schrullig“ durchgehen.

Das Insólito befindet sich in einem gemütlichen Raum im obersten Stockwerk des Gebäudes.
Man erreicht ihn in diesen Tagen nur über eine schmale Wendeltreppe, da der alte Aufzug streikt.

Im Sommer hat es eine lässige Außenterrasse mit bestem Blick auf die Stadt.
Im Winter bleibt einem „nur“ der verrückt oder ungewöhnlich eingerichtete Raum.
Es sind alte, recht rustikal und bunt zusammengewürfelte Tische, Barhocker und Stühle mit obsoleten Blumenmustern, die einen hier begrüßen.

Die goldenen Bilderrahmen passen eigentlich überhaupt nicht auf die Tapete im portugiesischen blau-weißen Kacheldesign, von der Decke hängen verkehrt herum künstliche Blumen – und mitten im Raum steht eine pink gefleckte Giraffe. –  Es ist grandios!

Für mein Neujahresdinner entscheide ich mich für „Lobster in Raviolis“ (Hummerravioli) als Vorspeise, „Chef’s Special Tenderloin“ folgt zum Hauptgang und als Nachspeise heißt es gewollt zweideutig „Go nuts“.
Dazu gibt es einen portugiesischen Rotwein.

Da ich solche Restaurantbesuche vorher noch nicht oft gemacht habe, empfinde ich die drei gereichten Speisen alle als recht übersichtlich und hinterfrage das Preis-Leistungsverhältnis.

Keine Sorge, das ist ein trauriges Selbstgespräch. Das Restaurantpersonal belästige ich damit nicht.
Es liegt vielmehr an der eigenen Sozialisierung, wo immer geschaut wurde, dass alles möglichst günstig und im Angebot sein sollte.
Man kannte meist von allem den Preis, aber von (fast) nichts den Wert.

Deshalb sträube ich mich auch immer mehr gegen diese Gedanken und versuche mich einfach auf dieses neue Genusserlebnis einzulassen. Mit jedem Schluck Rotwein gelingt es besser…

Denn geschmacklich und von der Qualität sind die Speisen hier sehr gut und der Preis natürlich gerechtfertigt.

Nur bei der Nachspeise schienen mir die „dry nuts“ oder etwas anderes auf dem Teller vielleicht ein bisschen zu trocken zu sein. Hätte man bei dem Namen eigentlich drauf kommen können, sagt ihr jetzt zurecht. Aber, dass es gleich so trocken war, damit hatte ich nicht gerechnet.

Das gesamte Ambiente und das neue Geschmackerlebnis haben diesen Besuch aber zu einem vollen Erfolg gemacht.

Wenn ihr in der Stadt seid, lohnt sich hier ein Besuch aus vielen Gründen.

Torre und Pastéis de Belém + Maat-Museum und kulinarische Highlights

Tag 04

Highlights außerhalb vom historischen Zentrum

Für meinen letzten Reisetag habe ich mir noch ein paar echte Highlights aufgespart.
Das war etwas riskant, da das Wetter zu dieser Jahreszeit auch schnell mal wechseln kann.

Bei diesem Trip habe ich aber so unverschämtes Glück, dass mich auch heute noch ein super sonniger Tag erwartet – von ein wenig Nebel in den Morgenstunden abgesehen.

Der erwies sich für Atmosphäre und die meisten Fotos aber auch eher als Glücksfall.

Frühstück bei Nicolau Lisboa

Für das Frühstück habe ich mir heute das kleine Hippster-Café direkt unter meinem Hostel ausgesucht.

Am 2.1. stehe ich also direkt um 8 Uhr auf der Matte vom Nicolau als die Tür schon offen ist, das Café aber eigentlich noch geschlossen hat.

Das ist eigentlich auch eine untypische Zeit für mich, da ich lieber länger schlafe.
Ein Mehrbettzimmer im Hostel lässt das leider nicht immer zu und so beginnt mein Tag eben auch etwas früher.

Hier im Nicolau sind scheinbar auch keine Morgenmenschen angestellt und man ist über den überfrühen Gast nicht gerade glücklich. So teilt man mir freundlich, aber auch bestimmt mit, dass das Café erst um 8.30 Uhr öffnet.

Wo ich schon so früh wach war, wollte ich den Tag eigentlich auch früher beginnen. Aber so muss ich mich wohl etwas gedulden und gehe kurz zum Fluss, um mir die Zeit zu vertreiben, da ich hier unbedingt frühstücken möchte.

Es tut gut hier morgens fast allein über den Praça do Comércio zu schlendern und am Fluss ein wenig frische Luft zu schnappen.

Da ich noch ein paar andere Pläne für den Tag habe, komme ich aber pünktlich wie die Maurer um 8.30 Uhr zurück zum Café. Und das kommt noch ein wenig schlechter an als mein versehentliches Erscheinen eine halbe Stunde zuvor.

Man bittet mich doch draußen Platz zu nehmen. Dort, wo sonst eine ganze Reihe Gäste wartet, wenn es drinnen zu voll ist.

Jetzt ist zwar drinnen niemand, nur die jungen Damen sind noch nicht ganz fertig mit den Vorbereitungen. Also werde ich erst gefühlte 10 Minuten später als erster Gast hereingebeten.

Die Sache wird nicht besser als ein paar Speisen auf der Karte nicht erhältlich sind, weil Zutaten fehlen. Das, was mir schlussendlich aber kurz vor 9 serviert wird, ist alles sehr gut, die Location wirklich cool. Und das Warten hat sich alles in allem dann auch gelohnt.

Morgenstund am Praça do Comércio

Immer noch früh genug starte ich danach wieder Richtung Praça do Comércio.
Der Platz füllt sich langsam, ein Straßenmusiker spielt am Wasser an den früheren Landungsstellen, an den Cais das Colunas – und die Sonne bricht langsam durch den Nebel durch.

Das hier ist nicht nur bei Sonnenuntergang, sondern auch am Beginn des Tages einer der magischsten Orte von Lissabon.

Torre und Pastéis de Belém, Padrão dos Descobrimentos + Maat-Museum

Mit der modernen Straßenbahn geht es kurz darauf Richtung Torre de Belém im gleichnamigen Stadtteil.

Dieser Festungsturm steht etwa 20 Minuten entfernt vom Zentrum und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Außerdem ist es nur eins von sehr wenigen Bauwerken, die den großen Brand von 1755 überstanden haben.

Hier an dem Tejo Mündungstrichter wurden von dem Turm früher die Handelsschiffe und Entdecker bei ihrer Einfahrt nach Lissabon begrüßt.

Zusammen mit einem Zwillingsturm auf der anderen Flussseite war er aber auch Verteidigungsturm, um mögliche Angreifer ins Kreuzfeuer zu nehmen.

Der Zwillingsturm existiert inzwischen aber nicht mehr, da er wie so vieles andere auch dem Brand von 1755 zum Opfer gefallen ist.

Der noch vorhandene Turm ist ca. 35 Meter hoch. An der höchsten Stelle befindet sich nun eine Aussichtsplattform für Touristen.
Ich bevorzuge es aber nur ein wenig durch den angrenzenden Park zu schlendern, mich ein wenig neben dem Turm am Wasser aufzuhalten – und später Richtung Padrão dos Descobrimentos weiterzuziehen.

Hier gibt es einen traumhaften Weg, der sich kilometerweit am Ufer des Tejo entlangzieht.

Je näher man kommt, taucht das Padrão dos Descobrimentos immer besser sichtbar aus dem Nebel hervor.

Dabei handelt es sich um ein 56 Meter hohes Denkmal, das 1960 zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer errichtet wurde.
Es ist schon spektakulär, wie es direkt am Ufer steht und sich die in Stein gemeißelten Figuren Richtung Wasser strecken.

Im Inneren gibt es ein kleines Museum und ein Auditorium.
Auf dem Denkmal befindet sich außerdem eine Aussichtsplattform.

Auch wenn der Nebel noch über dem Wasser steht, erhoffte ich mir hier aus knapp 60 Metern einen schönen Blick über die Skyline von Lissabon.
Das war leider aussichtslos, da das Zentrum von hier aus so gut wie nicht sichtbar ist.
Aber selbst die nicht sehr weit entfernte Brücke und Jesus-Statue versteckten sich noch im Nebel.

Erst langsam konnte man Teile der Brücke erkennen.

Auf der Landseite kann man dagegen schon bis zu dem mächtigen Kloster „Mosteiro dos Jerónimos“ schauen.

Es ist eins der beeindruckendsten historischen Gebäude mit dem so typischen Baustil für Lissabon.

Da die Menschenschlange davor riesig ist und es noch zwei andere wichtige Sehenswürdigkeiten hier in Belem auf mich warten, muss ich wohl noch einmal nach Lissabon wiederkommen, um dieses Bauwerk auch von Innen anzuschauen.

Heute entscheide ich mich nämlich für die moderne Architektur und bin mehr als begeistert vom neuen, spektakulären, brillanten und atemberaubende MAAT.

Es scheint als schwebt die weiße Hülle über dem Tejo, dazu das helbblau des Wassers und die Sonne, die immer weiter durch den Himmel kommt.

Ein grandioser Anblick, den sich niemand bei einer Lissabon-Reise entgehen lassen sollte.

Die moderne, weiße Form ist das krasse Gegenteil von den vielen historischen und leicht angefressenen Gebäuden, die man im Herzen von Lissabon findet.

Es bildet den spektakulär-modernen Kontrast zu der historischen Metropole.
Früher hätte man von einem „kühnen“ (also gewagtem) Bau gesprochen, der sich von allen anderen abhebt und damit ein perfektes Gegengewicht zur „Manuelinik“, Lissabons eigenem Baustil, darstellt.

Pastéis de Belém

Last but not least.

Belem darf man natürlich nicht verlassen ohne die berühmtesten Pastéis von ganz Portugal zu probieren.

Die Pastéis de Belém, die beliebten Puddingtörtchen aus Lissabon haben hier nämlich ihren Ursprung, wenn man der Legende glauben darf.

Seit über 185 Jahren werden die kleinen Süßspeisen im Blätterteig hier gebacken.
Das Rezept ist streng geheim und in dem traditionellen in typischem blau-weiß gehaltenen Café werden am Tag ca. 20.000 Törtchen verkauft.

Im Sommer und um die Weihnachtsfeiertage sind es sogar mehr. Der Hype und Andrang ist sogar größer als z.B. im Salzburger Café Fürst, wo im Jahr „nur“ 1 Millionen Mozartkugeln verkauft werden.

Glaubt man den Zahlen, müssten es hier im Jahr zwischen 7 bis 7,5 Millionen der süßen kleinen Puddingteilchen sein.

Entsprechend groß ist der Andrang auch heute.
Die Schlange für Take Away steht in mehreren Reihen bis draußen.

Ich möchte meine beiden Pastéis de Belém lieber am historischen Ort mit einem Espresso genießen.
Allein werde ich in der nächsten Stunde wohl keinen Platz ergattern, obwohl das Café nach hinten durch riesig ist.

Also frage ich ein Pärchen aus Madrid, ob ich mich zu ihnen setzen kann.
Ich habe Glück und komme so nach relativ kurzer Zeit zu meinen Pastéis.

Manchmal ist es ja nur ein Hype um solche Speisen und sind solche Flagstores nur Touristentraps.
In diesem Fall ist es aber nicht so und die frischen Pastéis de Belém sind ausgezeichnet.

Weltausstellungsgelände und Bahnhof Oriente

Jetzt wartet nur noch die Zugabe.

Seit 2010 bereise ich jede Weltausstellung, auch EXPO genannt.

1998 fand hier in Lissabon eine der Internationalen EXPOs statt.

Eine Weltausstellung, die im Gegensatz zu manch anderen sehr gelobt wird, da sie der Stadt nicht nur eine neue, moderne Infrastruktur, sondern auch große und positive Anerkennung gebracht hat.

An meinen letzten Nachmittag wollte ich da zumindest noch einen Blick auf das hochgelobte Gelände werfen.

Auf dem Weg dahin kommt man zum einen am Bahnhof Oriente mit der prägnanten Dachkonstruktion von Star-Architekt Santiago Calatrava vorbei.
Für Architekturfreunde genauso ein Must wie das MAAT-Museum und die historischen Bauten.

Außerdem fährt hier auch noch die Seilbahn und lässt einen Blick auf das Gelände von oben zu.

Eine interessante Brückenkonstruktion führt die Besucher des Geländes darunter direkt am Wasser durch den Park.
Es ist die andere, neuere Seite von Lissabon.

Hier ist an diesem Tag nicht besonders viel los, für mich aber ein guter, ruhiger Nachmittag und fast schon ein schöner Abschluss meiner Reise.

Fahrt mit der historischen Tram 28e, Dinner im Petit Café und die Lichter der Stadt

Zwei letzte Highlights noch am Abend:

Zurück im historischen Zentrum Lissabons, zieht es mich noch einmal zurück ins Petit Café.

Es ist nicht viel los. Die meisten Touristen sind abgereist, nach all den Feierlichkeiten ist auch das hier die ruhigere Zeit in Portugals Hauptstadt.

Mit Rotwein und Oktopus beschließe ich hier meine Reise, wie sie begonnen hat.
Nicht weniger schön als am Tag. Nur, dass man hier ca. die 5-fache Portion Oktopus im Vergleich zum ersten Abend im TimeOut-Market erhält.

Das Petit Café ist ein sehr gemütlicher, typisch portugiesischer Ort.

Danach fahre ich mit der historischen Tram 28E noch einmal rauf bis zum höchsten Aussichtspunkt und genieße den Blick auf die beleuchtete Stadt von oben.

Auch hier spielt wieder ein Straßenmusiker, der ebenso wie alle anderen den Ton und die Stimmung trifft. Jetzt allerdings sind keine Touristen mehr da und wir beide hier oben ganz allein.

 

Den letzten Abend lasse ich bei einem Bier und einem kleinen Schnaps an der Bar des Hostels ausklingen.

Letzte Eindrücke und Abreise

Tag 05

Noch halb im Dunklen kurz vor 7 Uhr an der Rezeption im Hostel checke ich für meinen Billigflug ein und drucke die Boardkarte aus.

Ich weiß nicht, wie mich dieser Geistesblitz erreichte, aber ohne ihn hätte mir die beliebte Billigairline ein teures Airport-Checkin-Angebot gemacht hat, auf das ich gern verzichten wollte.

 

Danach gönne ich mir noch ein letztes Frühstück in einer Hafenkneipe am Praca do Commercio.
Das Lokal hat schon etliche Jahre auf dem Buckel. Es ist eins der traditionsreichsten der Stadt.
Über der Holz vertäfelten Bar ist es klassisch blau-weiß gekachelt.
Immer wieder kommen Menschen herein, die nur eine schnelle Tasse Kaffee trinken wollen, einen Happen essen und wieder verschwinden.

Mein Muffin ist mir etwas zu fettig, der Espresso ist aber schön schwarz und erledigt den Job.

Kurz darauf verlasse ich auch das Lokal, gönne mir einen letzten Blick auf den Tejo und mache mich auf den Weg zum Flughafen.

Dort ist das Abflugterminal leider nicht das gleiche, wie das bei der Ankunft.

Zum einen doof, da ich noch einen Airport-Bus zum Billigterminal nehmen muss, was meinen Zeitplan ordentlich durcheinander wirbelt.

Zum anderen ist das kleine Ersatz-Terminal so überfüllt und scheint nicht für so viele Passagiere ausgelegt zu sein, dass mich hier eine Schlange erwartet, die meine pünktliche Ankunft am Schalter unmöglich macht.

Also halte ich mein „Priority-Airline-Ticket“ in die Luft rufe irgendetwas wie „Priority“ und mogle mich so an den wartenden durch die Priority-Area an allen vorbei.

Dass das Ticket ausschließlich zum schnelleren Einstieg in das Flugzeug berechtigt, verrate ich dem Security-Guy natürlich nicht. Auch nicht als er nochmal komisch schaut und ein zweites Mal nachfragt.

Überglücklich, es doch noch rechtzeitig zum Gate geschafft zu haben, sehe ich dass mein Flug mindestens 2 Stunden Verspätung hat und ich mir all die Hatz und Mühe hätte sparen können. Klassiker… Nicht zum ersten Mal bei mir. J

Immerhin bin ich nun schon in der Halle und kann mir einen Sitzplatz nehmen statt die gleiche Zeit in der Schlange zu stehen.

So endet eine überaus gute und vielseitige Zeit zum Jahreswechsel in Lissabon zwar etwas hektisch, aber immerhin ohne einen doppelten Rückflug buchen zu müssen.

Frühstück in der Hafenkneipe

Noch halb im Dunklen kurz vor 7 Uhr an der Rezeption im Hostel checke ich für meinen Billigflug ein und drucke die Boardkarte aus.

Ich weiß nicht, wie mich dieser Geistesblitz erreichte, aber ohne ihn hätte mir die beliebte Billigairline ein teures Airport-Checkin-Angebot gemacht hat, auf das ich gern verzichten wollte.

 

Danach gönne ich mir noch ein letztes Frühstück in einer Hafenkneipe am Praca do Commercio.
Das Lokal hat schon etliche Jahre auf dem Buckel. Es ist eins der traditionsreichsten der Stadt.
Über der Holz vertäfelten Bar ist es klassisch blau-weiß gekachelt.
Immer wieder kommen Menschen herein, die nur eine schnelle Tasse Kaffee trinken wollen, einen Happen essen und wieder verschwinden.

Mein Muffin ist mir etwas zu fettig, der Espresso ist aber schön schwarz und erledigt den Job.

Kurz darauf verlasse ich auch das Lokal, gönne mir einen letzten Blick auf den Tejo und mache mich auf den Weg zum Flughafen.

Stressige Abreise

Dort ist das Abflugterminal leider nicht das gleiche, wie das bei der Ankunft.

Zum einen doof, da ich noch einen Airport-Bus zum Billigterminal nehmen muss, was meinen Zeitplan ordentlich durcheinander wirbelt.

Zum anderen ist das kleine Ersatz-Terminal so überfüllt und scheint nicht für so viele Passagiere ausgelegt zu sein, dass mich hier eine Schlange erwartet, die meine pünktliche Ankunft am Schalter unmöglich macht.

Also halte ich mein „Priority-Airline-Ticket“ in die Luft rufe irgendetwas wie „Priority“ und mogle mich so an den wartenden durch die Priority-Area an allen vorbei.

Dass das Ticket ausschließlich zum schnelleren Einstieg in das Flugzeug berechtigt, verrate ich dem Security-Guy natürlich nicht. Auch nicht als er nochmal komisch schaut und ein zweites Mal nachfragt.

Überglücklich, es doch noch rechtzeitig zum Gate geschafft zu haben, sehe ich dass mein Flug mindestens 2 Stunden Verspätung hat und ich mir all die Hatz und Mühe hätte sparen können. Klassiker… Nicht zum ersten Mal bei mir. J

Immerhin bin ich nun schon in der Halle und kann mir einen Sitzplatz nehmen statt die gleiche Zeit in der Schlange zu stehen.

So endet eine überaus gute und vielseitige Zeit zum Jahreswechsel in Lissabon zwar etwas hektisch, aber immerhin ohne einen doppelten Rückflug buchen zu müssen.

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