Spätsommer und Herbst sind fast die besten Jahreszeiten für ausgiebige Wanderungen und Bergtouren in Österreich.

Sogar bis Ende Oktober kann man in (Ober-)Österreich mit etwas Glück sehr schöne Wandertage mit Temperaturen von bis zu 20 Grad haben.

Je weiter es den Berg raufgeht, wird es je nach Tageszeit zwar auch wieder etwas kühler. Deshalb sollte man sich für unterschiedliche Witterungen Kleidung mitnehmen.
Bleibt die Sonne am Berg, ist es aber selbst am Gipfel noch angenehm warm.
Und nach einem schweißtreibenden Aufstieg kann man es hier sogar im T-Shirt aushalten.

Mit einem guten Freund aus der Studienzeit bin ich 2014 Ende Oktober rauf zum Gipfel des Warscheneck .
Dabei waren außerdem sein Cousin und ein paar weitere Freunde und Bekannte.

Obwohl ich ein paar Jahre in Österreich studiert habe, war so eine Wandertour neu für mich und hatte ein paar Überraschungen parat.

Mein Bekannter ist ein erfahrener und kräftiger Bergsteiger. Ich bin es nicht.
Und so gab es schon vor der Wanderung ein paar kleine Missverständnisse und Überraschungen.

Wir hatten uns im gleichen Jahr im Sommer davor an den Krimmler Wasserfällen getroffen.

Der Wanderweg an den höchsten Wasserfällen Europas ist allerdings nicht annähernd vergleichbar mit so einer Bergtour, die er mit mir im Herbst vorhatte.

Es sollte eine Wanderung zum Gipfel des 2388 Meter hohen Warscheneck in Oberösterreich werden.

Dabei mussten ca. 1.500 Höhenmeter überwunden werden. Und auch wenn das auf zwei Tage am Wochenende verteilt wurde, hört es sich weniger anstrengend an, als es war.

Zur Vorbereitung auf die Tour scherzte er noch am Telefon, dass wir Stirnlampen brauchen würden.
Zumindest nahm ich an, dass es ein Scherz sein sollte.

Als wir am ersten Tag aber zu lange zu Hause herumtrödelten, spät Mittag aßen und erst gegen Nachmittag loswanderten, kamen sie tatsächlich – und schon bedeutend früher zum Einsatz als (von mir überhaupt) geplant.

Es gibt am Anfang der Bergwanderung am Warscheneck neben den Wiesen noch einige befestigte Wege, die nach und nach ihrem natürlichen Ursprung weichen.

Gewisse Befestigungen gibt es zwar auch weiter oben noch.

Im Herbst sind einige Stellen aber schon rutschig.
Und das Laub auf dem lockeren Boden macht es nicht einfacher.

 

Wenn dann noch die Dunkelheit einsetzt – und auch die ist im Herbst früher dran – wird es spätestens Zeit für die Stirnlampen.

Zum Glück ist er vorbereitet, denn mir machen die Rutschpartie auf dem feuchtem Laub mit Sneakers (ich bin auch beim Schuhwerk gut ausgerüstet) beim Aufstieg und meine untrainierte Waden schon genügend Probleme.

Zur Zwischenstation kommen wir dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit.

Über die Rast auf der Hütte freue ich mich schon jetzt sehr.

So anstrengend hatte ich es mir nicht vorgestellt. Und das war ja erst Part 1 von 2 bis 3.
2 und 3 sollten am nächsten Tag in einer Tour folgen.

Auf der Hütte gibt es deftige Kost, dazu ein paar Bier und Rotwein – und ein paar skurrile Situationen mit dem Wirt auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte.

Kurz nach Mitternacht machen wir es uns im Schlafraum bzw. Mehrbettzimmer so gemütlich, wie es hier eben geht.

So eine Hütte ist eine feine Sache. Man kann dort gut und günstig, ähnlich wie in einer Jugendherberge, übernachten.

So eine puristische Form der Reise und ein so großer Schlafsaal sind natürlich Geschmackssache. Viel Privatsphäre gibt es hier nicht.

Das ist einem aber auch relativ egal nach einem anstrengenden Aufstieg. Und wenn es dann noch ein Tröpfchen Bier oder Wein gibt, schläft man eh recht schnell und ist auch mit einer Pritsche sehr zufrieden.

Am nächsten Morgen gibt es ein einfaches, aber ausreichendes Frühstück.

Danach geht es bei bestem Wanderwetter weiter durch unterschiedlichste Vegetationen.

Die Sonne an diesem späten Oktobertag ist warm, aber nicht zu heiß.
Den Wald lassen wir recht schnell hinter uns. Und je höher man kommt desto steiniger wird es.
Das kann man ruhig doppeldeutig verstehen. Aber die Aussicht entschädigt für die Anstrengung und wird von Höhenmeter zu Höhenmeter beeindruckender.

So schön es hier oben auch ist, so klar die Luft, so sonnig der Tag und so angenehm die Ruhe auch sind. Es ist verdammt kräftezehrend.

Kurz vorm Gipfel – er ist schon in Sichtweite – verlassen zwei der Truppe dann die Kräfte.
Während mein Bergsteiger-Freund locker bis zum Gipfel spaziert und ich auch von einem 70-jährigen leicht und mit breitem Grinsen überholt werde, machen meine Beine plötzlich schlapp und ich sacke kurz vor dem Gipfel halb zusammen.

So bleibe ich an gleicher Stelle gut 20 Minuten einfach liegen, um mich dann doch noch einmal aufzuraffen, um das letzte Stück zum Gipfel dann doch noch (vor allem gegen mich und meinen Körper) zu erzwingen.

Und wert war all die Mühe. Von hier oben hat man ein beeindruckendes Panorama. Von hier kann man bis zu den Salzburger Bergen und weiteren Alpengipfeln schauen.

Zur großen Freude meiner Österreichischen Begleiter erlaube ich mir den Spaß und hole jetzt die Deutschland-Brasilien-Fahne (die ich im Sommer von der WM aus Brasilien mitgebracht habe) heraus, um sie am Gipfel mit einem Augenzwinkern zu schwenken.
Denn eine Deutschland-Fahne am Österreichischen Gipfelkreuz sieht man in Österreich (auch in meinem Österreichischen Freundeskreis) nämlich besonders gern.

Eine gewisse Zeit zum Ausruhen, aber vor allem um die Aussicht hier zu genießen, bleiben wir noch hier oben am Gipfel.

Auf meiner Fußspitze macht es sich dabei ein Vogel bequem.

In der Herbstsonne bei der Ruhe hier oben zu sitzen ist einfach nur großartig.

Ein wenig später schauen wir uns das Panorama noch von einer anderen Stelle an.

Als Unkundiger frage ich, welche Berge man hier eigentlich alle sehen kann. Und erfahre, dass man von hier aus bis zu den Salzburger Bergketten sehen kann.

Dazu gibt es auch einen passenden Witz, der mir an dieser Stelle nicht vorenthalten wird.

So fragt also der Deutsche einen (Ober-)Österreicher welchen Berg man denn da vorne sehen kann, um mit dem Finger auf eine beliebige Bergkette zu deuten. Worauf der (Ober-)Österreicher antwortet: „Wöichener?“, und sich der Deutsche artig bedankt…
(ohne zu verstehen, dass „Wöichener?“ nicht der Name des Bergs ist, sondern nur die Rückfrage im Dialekt beinhaltet, „welchen“ Berg er denn überhaupt meint….

Nach einer Weile verlassen wir den Gipfel und müssen nun in einem Stück zurück ins Tal.

Das Problem: Der Abstieg ist nicht weniger anstrengend, als der Aufstieg.

Zum einen belastet es die Gelenke und Muskeln nicht weniger den Berg herunterzusteigen. Außerdem kommt dazu, dass man beim Aufstieg schon viel Kraft und Konzentration verloren hat…

So lange die Sonne noch da ist und auf den freien Flächen geht es halbwegs gut bergab.

Je dunkler es wird und je länger man wieder durch die Waldstücke läuft, desto feuchter, dunkler und rutschiger wird es.

Ich bin diesmal nicht der einzige, der hier wegrutscht. Zum Glück passiert nichts Ernsthaftes und wir erreichen alle gesund und glücklich unser Ziel.

Wie kräftezehrend so ein Auf- und Abstieg ist, zeigt sich meist erst nach der Ankunft, wenn die Anspannung weicht und das Adrenalin zurückgegangen ist.

Am nächsten Morgen komme ich kaum aus dem Bett.

Das Treppenhaus (2 Etagen) wird für mich fast eine größere Herausforderung als die gesamte Bergwanderung der letzten beiden Tage.

 

Das Kleinflugzeug, das mich von Linz zurück nach Hause bringen soll, wird zu der nächsten Herausforderung:

Die kleine Treppe mit vielleicht gerade einmal 7 Stufen schaffe ich nur durch die Kraft meiner Arme herauf und später wieder herunter. Die Beine tragen mich zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr.

Dieses unwürdige Schauspiel zu ertragen fällt nicht nur mir, sondern auch den anderen, wartenden Gästen nicht leicht, da ich für die kurze Treppe mindestens die doppelte der üblichen Zeit brauche.

 

Meine Muskulatur sollte noch fünf Tage brauchen, um sich halbwegs zu erholen.

Die guten Erinnerungen an diesen großartigen Wanderausflug halten dagegen bis heute und sicher noch eine lange Zeit.

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